nettokompass

Die 50-30-20-Regel

Eine Faustregel in drei Zahlen – und die Frage, die sie nicht beantwortet: Was tun, wenn allein die Miete ein Drittel des Nettos frisst?

Nötiges50 %Wohnen, Essen, Versicherung, Arbeitsweg
Gewolltes30 %alles, was gestrichen werden könnte
Sparen20 %Rücklage, Vorsorge, Schulden tilgen

Die Regel mit deinem echten Netto durchrechnen →

Was die Regel in Euro heißt

Haushaltsnetto50 % Nötiges30 % Gewolltes20 % Sparen
2.000 € / Monat1.000 €600 €400 €
3.000 € / Monat1.500 €900 €600 €
4.500 € / Monat2.250 €1.350 €900 €

Gerechnet vom Netto, nicht vom Brutto. Was bei deinem Bruttogehalt netto ankommt, sagt der Brutto-Netto-Rechner; bei zwei Einkommen rechnet der Haushaltsplan beide zusammen.

Die Einordnung ist die eigentliche Arbeit

Die Zahlen sind in zehn Sekunden gerechnet. Schwierig ist die Frage, in welchen Topf ein Posten gehört – und genau dort entscheidet sich, ob die Regel etwas taugt.

PostenTopfWarum
Warmmiete, Strom, Heizung50 %fällt ohne Umzug nicht weg
Lebensmittel für zu Hause50 %Grundbedarf; der Lieferdienst dagegen nicht
Weg zur Arbeit50 %Deutschlandticket oder Pendelkosten
Zweitwagen, größeres Auto30 %die Differenz zum Nötigen ist eine Entscheidung
Versicherungen (Haftpflicht, BU)50 %schützt die Existenz, nicht den Komfort
Streaming, Fitness, Abos30 %kündbar, ohne dass der Alltag zusammenbricht
Kinderbetreuung50 %Voraussetzung fürs Arbeiten
Kreditrate50 %vertraglich geschuldet; Sondertilgung zählt zu den 20 %
Notgroschen, ETF-Sparplan, Altersvorsorge20 %baut Vermögen auf
Schulden über die Rate hinaus tilgen20 %wirkt wie Sparen zu hohem Zins

Wo die Regel in Deutschland bricht

Nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023 liegt der Wohnanteil bei Haushalten mit mittlerem Einkommen bei rund einem Drittel des Nettos; in Berlin, München oder Hamburg sind 40 % und mehr üblich. Wer dort wohnt, reißt die 50-Prozent-Grenze nicht aus Leichtsinn, sondern durch den Mietvertrag. Die Regel misst dann nicht Disziplin, sondern Mietmarkt.

Brauchbar bleibt sie trotzdem – als Abstandsmesser. Der Haushaltsplan zeigt deshalb zu jedem Posten zwei Vergleichswerte nebeneinander: den typischen Wert von Haushalten mit ähnlichem Netto und den Zielwert nach der Faustregel, gedeckelt auf das, was in dieser Einkommensklasse überhaupt üblich ist. Wer 38 % für Wohnen zahlt, sieht dann sofort, ob das an der Stadt liegt oder an der Wohnung.

Drei Varianten, wenn 50-30-20 nicht passt

So rechnest du es für dich aus

  1. Netto bestimmen: bei einem Einkommen aus dem Brutto-Netto-Rechner, bei zweien im Haushaltsplan.
  2. Ausgaben eintragen – oder mit den typischen Werten starten und sie anpassen.
  3. Die Zielwerte anschauen: Jede Zeile zeigt, wie viel nach der Faustregel vorgesehen wäre.
  4. Den größten Abstand zuerst angehen. Bei den meisten Haushalten ist das Wohnen oder Mobilität, nicht der Kaffee.

Stand Oktober 2026. Die 50-30-20-Regel ist eine Faustregel ohne rechtliche Grundlage. Vergleichswerte: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023 des Statistischen Bundesamts.

Häufige Fragen

Was bedeutet die 50-30-20-Regel?

Vom Nettoeinkommen gehen 50 % an das Nötige (Wohnen, Essen, Versicherungen, Mobilität zur Arbeit), 30 % an das Gewollte (Restaurant, Urlaub, Hobbys, Abos) und 20 % ins Sparen und in die Tilgung von Schulden. Die Aufteilung stammt aus dem Buch „All Your Worth“ von Elizabeth Warren und Amelia Warren Tyagi (2005) und ist keine amtliche Größe, sondern eine Faustregel.

Funktioniert die Regel in Deutschland überhaupt?

Als Rechenprobe ja, als Vorgabe oft nicht. Nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts geben Haushalte mit mittleren Einkommen rund ein Drittel ihres Nettos allein fürs Wohnen aus – in Großstädten mehr. Damit ist die 50-Prozent-Hälfte fast aufgebraucht, bevor Lebensmittel und Mobilität dazukommen. Der Wert der Regel liegt dann im Abstand: Sie zeigt, wie weit die eigene Lage von der Faustregel entfernt ist und an welchem Posten das liegt.

Zählt die Miete zu den 50 % oder zu den 30 %?

Zu den 50 %. Zum Nötigen zählt alles, was ohne Umzug oder Kündigung nicht wegfällt: Warmmiete, Strom, Grundnahrungsmittel, Versicherungen, Telefon und Internet, der Weg zur Arbeit, Kinderbetreuung, Kreditraten. Zu den 30 % zählt, was gestrichen werden könnte, ohne dass der Alltag zusammenbricht: Streaming, Restaurant, Urlaub, Fitnessstudio, das größere Auto.

Was ist, wenn 20 % Sparen nicht drin sind?

Dann ist die Reihenfolge wichtiger als die Quote. Zuerst ein kleiner Notgroschen, damit eine kaputte Waschmaschine nicht zum Dispo führt; dann teure Schulden tilgen, weil kein Sparkonto 10 % Dispozins schlägt; dann erst langfristig sparen. Eine Sparquote von 5 % in gleichbleibender Höhe ist mehr wert als 20 %, die nach zwei Monaten abbrechen.